Jemanden Huckepack nehmen

Zur Entstehung des Huckepack-Bilderbuchpreises

Wenn wir jemanden Huckepack nehmen, heißt das zunächst: Wir tragen ihn oder sie. Alle haben wir vielleicht das Bild eines Kindes vor uns, das von einem Erwachsenen Huckepack getragen wird. Haben wir selbst Kindheitserinnerungen zu diesem Huckepack? Wie war das, Huckepack getragen zu werden? Vielleicht waren wir müde oder wir hatten einfach Lust, uns an die Schulter eines / einer Erwachsenen anzuschmiegen? Wer als Kind Huckepack genommen wurde, konnte dieses Gefühl von Unterstützung und Geborgenheit auskosten. Der Huckepack-Gedanke überträgt dieses Bild aufs Bilderbuch. Auch Bilderbücher mit ihren Geschichten und Bildern können uns das Gefühl von Unterstützung und Geborgenheit geben.

So entstand die Idee zum Huckepack-Preis, geboren von Bilderbuchmenschen aus der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und dem Bilderbuchinstitut der Universität Bremen. Einmal im Jahr suchen wir aus etwa 200 Bilderbüchern die für die Arbeit mit Kindern besonders geeigneten aus. Das wollten wir nicht länger im Geheimen tun, sondern mit dieser Auswahl an die Öffentlichkeit gehen. Und gleichzeitig wollen wir - heute und in Zukunft - auf ein Bilderbuch des jeweiligen Jahres besonders aufmerksam machen. Und wie macht man auf ein Bilderbuch aufmerksam? Ganz einfach! Indem man dieses Buch mit einem Preis auszeichnet. Preisträger des Jahres 2015 ist, ich wiederhole mich gern, Ein großer Freund von Babak Saberi und Mehrdad Zaeri. Das Preisgeld, wir sind ja eine Initiative mit beschränkten Mitteln, hat uns dankenswerter Weise der Verlag das Netz (Jens Klennert und Tanja Miguez sind anwesend!) zur Verfügung gestellt.

Ich knüpfe wieder an den eigentlichen Gedanken an: Auch Bilderbücher mit ihren Geschichten und Bildern können uns das Gefühl von Unterstützung und Geborgenheit geben. Sie begleiten Kinder beim Einschlafen, trösten, nehmen Ängste, machen Mut. Der Huckepack-Preis zeichnet Bilderbücher aus, die dazu beitragen, dass sich ein Kind respektiert fühlt und seinen eigenen Wert erkennt. Denn: Nur wer sich selbst respektiert und annimmt, ist wiederum in der Lage, auch anderen Respekt und Mitgefühl entgegenzubringen und damit den "Huckepack"-Gedanken weiterzutragen.

Natürlich – das muss ich einschränkend sagen – ist ein Bilderbuch, und sei es noch so gut, keine Huckepack-Maschine. So in dem Sinne: Bilderbuch gelesen, über Schwieriges, das grad anliegt, hinweggetröstet, Mut gemacht, Ängste wie weggeblasen und voller Respekt vor anderen und Wertschätzung für sich selbst das Buch wieder zugeklappt. So funktioniert Literatur natürlich nicht. Es gibt keinen kausalen Wirkungszusammenhang im Sinne eines wenn.... dann ....

Was es dagegen gibt, ist die Möglichkeit einer fruchtbaren Begegnung zwischen LeserInnen und Literatur. Was es gibt sind Bilderbücher mit dem Potential, Kinder Huckepack zu nehmen .....

(aus der Laudation zum Huckepackpreis 2016 von Jochen Hering)

Hier finden Sie uns


Schmidtstr. 37
28203 Bremen

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

 

+49 421 72533

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Alibis - Atelier für Literatur - Bilderbuch - Sprachförderung